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Dienstag, 13.06.2017

Einweihung der Knappschaftsstraße in Brühl-Heide

Bürgermeister Dieter Freytag enthüllte kürzlich in Anwesenheit verschiedener Gäste in Brühl-Heide das neue Straßenschild "Knappschaftsstraße". Die Straße befindet sich nun zwischen der Willy-Brandt-Straße und Talstraße, nahe dem ehemaligen Abbaugebiet der Braunkohle in Brühl-Heide.
Großbildansicht Bürgermeister Dieter Freytag enthüllt gemeinsam mit Ralf Weidenbach (re., Vorsitzender der CDA Stadtverband Brühl) und Günter Sporn (2.v.l., Regionaldirektor der Knappschaft-Bahn-See) und weiteren Gästen die "Knappschaftsstraße"

Der Name "Knappschaftsstraße" geht auf einen Vorschlag der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Brühl (CDA) - der Arbeitnehmerorganisation in der CDU - zurück. Anlass für den Vorschlag ist die Gründung der Brühler Knappschaft als Sozialversicherung für die Bergleute in Brühl und in der Region vor 175 Jahren.

Mit der Benennung der Knappschaftsstraße in Brühl würdigt die Stadt Brühl aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Rates vom 20. Februar 2017 die historischen sozialen Leistungen der Brühler Knappschaft für die Bergleute und ihre Familien anlässlich des Jubiläums auf besondere Weise.

Leistungen der Brühler Knappschaft - Brühler Sozialgeschichte

Die Brühler Knappschaft hat sich um die Bergleute im Bereich der Stadt Brühl und darüber hinaus sehr verdient gemacht. Sie hat den Bergleuten und ihren Familien durch ihr System sozialer Leistungen in ihrer Lebenslage geholfen, ein erträgliches Leben auch dann zu führen, wenn Krankheit und Unfälle ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigten oder sogar beendeten, und das lange bevor die Sozialversicherung allgemein eingeführt wurde. Zu den frühen Leistungen der Brühler Knappschaft an die Bergleute gehörten u.a.

  • Pensionen,
  • im Todesfall Unterstützung für Witwen und Waisen,
  • Krankenlohn,
  • Kur und Medizinkosten,
  • Beihilfe zu den Beerdigungskosten sowie
  • Beihilfe zum Elementar-Schulunterricht der Kinder.

Die Brühler Knappschaft hatte durch verschiedene Umstände im Verlauf der vielen Jahre im Stadtgebiet von Brühl immer wieder andere Anschriften für ihre Geschäftstätigkeit und ihre Versicherten:

  • Gartenstraße 24
  • Bonnstraße 6 und 8
  • Kentenichstraße 2
  • Schildgesstraße 19
  • Auguste-Viktoria-Straße 2
  • Kaiserstraße 15 (Villa Gruhl.

Gründung und Zeitablauf Brühler Knappschaft

Die Gründung der Brühler Knappschaft geht auf die Veröffentlichung des "Berg-Knappschafts-Reglement" im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Köln zurück, gezeichnet vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV am 26. Juli 1842. Das war vor 175 Jahren. Ziel des Reglements war es, im Brühler Knappschafts-Revier Fürsorge zu treffen, in Form von "Unterstützung und Verpflegung kranker und invalider Bergleute und für die Unterstützung der Witwen und Waisen verstorbener und verunglückter Bergleute".

Der schwere Beruf der Bergleute war von jeher mit großen Gefahren für das Leben und die Gesundheit verbunden, weshalb es schon seit Jahrhunderten Regelungen für einen besonderen sozialen Schutz für Bergleute gab. Das galt zunächst für den Erz- und den Salzbergbau, später - mit der aufkommenden Industrialisierung - auch für den Steinkohle- und Braunkohlebergbau. Durch den Anstieg der Braunkohlenbetriebe war nun auch in dieser Region ein sozialer Schutz für die Bergleute erforderlich, zu dem sich der Preußische Staat veranlasst sah.

Damit erhielten die Bergleute des Braunkohlenreviers quasi eine Sozialversicherung, und zwar lange bevor die ersten allgemeinen Sozialversicherungsgesetze (1883 - 1891) unter Reichskanzler Bismarck geschaffen wurden. Letzte basierten sogar wesentlich auf den Regelungen und Erfahrungen, die man bei den regionalen Knappschaften über einen langen Zeitraum gemacht hatte.

Das Gebiet der Brühler Knappschaft umfasste weit mehr als die Brühler Braunkohlegruben. Ihre Zuständigkeit erstreckte sich über das gesamte linksrheinische Braunkohlen-Gebiet bis zur Südgrenze der damaligen Rheinprovinz. Der Niederrhein und das Aachener Steinkohlerevier gehörten nicht dazu. Die Brühler Knappschaft existierte - als eine der regionalen Knappschaften in den verschiedenen Bergbaugebieten - unter diesem Namen von 1842 bis 1923. Das Reichsknappschaftsgesetz führte die verschiedenen regionalen Knappschaften 1924 zur so genannten Reichsknappschaft zusammen, die bis 1945 existierte.

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches unterstützten die Alliierten die Reorganisation zu regionalen Knappschaften. So wurde die Brühler Knappschaft schon vor der Kapitulation im April 1945 neu gründet. Deren leitender Direktor wurde Hermann Schamberg (Zentrumsabgeordneter von 1928 bis 1933 im Landtag Rheinprovinz), den die Nationalsozialisten nach der Machtübernahme bei der Knappschaft abgesetzt hatten. 1969 wurden die regionalen Knappschaften erneut zu einer Einheit, nämlich der Bundesknappschaft, zusammen geführt. Sie wiederum wurde 2005 im Rahmen einer großen Organisationsreform in der Rentenversicherung mit der Seekasse und der Bahnversicherungsanstalt zur Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See zusammengefasst.

Heute ist die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See in Bergheim (Knappschaftsallee 1) mit der Regionaldirektion vertreten, die in etwa die Gebiete der früheren Brühler Knappschaft und der ehemaligen Aachener Knappschaft umfasst.

Historische Leistung der Knappschaft

Die Knappschaft - und damit auch die Brühler Knappschaft - hat über Jahrhunderte entscheidend die deutsche Sozialversicherung und in der Folge die europäische Sozialpolitik mit gestaltet. Dazu gehören z.B.

  • die Soziale Selbstverwaltung in unseren Sozialversicherungen,
  • das Umlagesystem unserer heutigen Sozialversicherung, - die hälftige Beitragszahlung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer und
  • der Zusammenhang von Beitragsleistung und Rentenhöhe.

Reichskanzler Bismarck konnte bei der Einführung der allgemeinen Sozialversicherung auf die Erfahrungen der Knappschaft zurückgreifen. Die Knappschaft geht auf die Gründung einer weltlichen Bruderschaft durch den Hildesheimer Bischof Johann I von Brakel im Jahr 1260 im Erzbergbau am Rammelsberg in Goslar (heute Weltkulturerbe-Stätte der UNESCO) zurück. Im Jahr 2010 wurde hierzu das 750jährige Jubiläum gefeiert. U.a. veranstaltete das Deutsche Bergbau-Museum Bochum eine große Sonderausstellung, es gab eine Sonderbriefmarke und Bundeskanzlerin Merkel sprach anlässlich des Festaktes auf der Zeche Zollverein in Essen.

Herbert Metzger
Mitglied im Vorstand der
Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Brühl (CDA) Stadtverband Brühl
Tel. 02232 1502975

Quellen:
Wilbert Hans, Brühler Knappschaft, 150 Jahre wechselvolle Geschichte der knappschaftlichen Versicherung im linksrheinischen Gebiet, Bundesknappschaft, Historische Schriftenreihe, Band II, März 1991.
Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Die Knappschaft als sozialer Pfadfinder, Bochum 2010.
Internet: 750 Jahre Knappschaft.
Wolfgang Bergsdorf, Brühler Profile: Hermann Schamberg, in: Brühler Heimatblätter, Nr. 3, 70. Jahrgang, Juli 2013.
Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Auf breiten Schultern - 750 Jahre Knappschaft, Katalog zur Ausstellung, Bochum 2010.



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