Veranstaltungsberichte

Hier finden Sie Veranstaltungsberichte zu Workshops, Treffen und weiteren Veranstaltungen.

Die Vorbereitungsworkshops

Mit Hilfe von Originalfotos wurde ein Umfangreicher Fragenkatalog erarbeitet.
Mit Hilfe von Originalfotos wurde ein Umfangreicher Fragenkatalog erarbeitet.

Das Projekt ist gestartet. Im Zeitraum vom 23. bis zum 26. November 2014 wurden 63 Jugendliche durch Frank Reiniger, Historiker und Referent des Anne Frank Zentrums Berlin, auf die Interviewführung mit den Zeitzeugen und Zeitzeuginnen des Zweiten Weltkriegs und der NS-Zeit vorbereitet.

Alle Jugendlichen waren über die gesamte Dauer des Tagesworkshops hoch motiviert. Mit großer Konzentration erarbeiteten sie mit Hilfe von Originalfotos von damals einen umfangreichen Fragenkatalog.

Am Ende des Workshops bekamen sie die Gelegenheit, diesen direkt an einem/r ZeitzeugIn zu testen, die/der sich freundlicher Weise für diese Übungszwecke bereit erklärt hatte, ins Cultra zu kommen.


Die Kennenlerntreffen

Ein erstes Kennenlernen zwischen Zeitzeugen und Jugendlichen.Großbildansicht
Ein erstes Kennenlernen zwischen Zeitzeugen und Jugendlichen.

Am 1. und 8. Dezember 2014 trafen sich ca. 30 Jugendliche und 10 ZeitzeugInnen in gemütlichem Rahmen bei Kaffee, Tee und Lebkuchen im Begegnungszentrum des MargaretaS.

Bei diesen ersten Kennenlerntreffen konnten die beiden Generationen ihre zukünftigen Interviewpartner kennen lernen und direkt den Termin für das Interview vereinbaren. Während des geselligen Beisammenseins wechselten die TeilnehmerInnen auf ein Glockensignal hin ihre Plätze, um sich auf die Suche nach noch unbekannten Gesichtern zu begeben. 

Auf dem Weg zu einem anderen Tisch stellten sie sich gegenseitig durch eine "Visitenkarte" vor, auf der Name, Alter, Geburtstort, Anzahl der Geschwister und ein Lieblingsort angegeben waren.

Wieder auf einem Sitzplatz angekommen erhielten die TeilnehmerInnen eine neue Anregungen zu einem Gesprächsthema wie beispielsweise "Kinder- und Jugendstreiche", "Adventsbräuche" oder "Sportarten".


Die Nachbereitungsworkshops

Wichtige Informationen werden in den Nachbereitungsworkshops zusammengefasst.Großbildansicht
Wichtige Informationen werden in den Nachbereitungsworkshops zusammengefasst.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Kaum hat das Neue Jahr begonnen, haben die zweiten Kennenlerntreffen auch schon stattgefunden und alle Zeitzeugeninterviews wurden geführt.

So ist Referent Frank Reiniger zur Nachbereitung erneut für eine ganze Woche aus Berlin ins Cultra gekommen, um mit den Jugendlichen sowohl die Eindrücke, die die Geschichten der Zeitzeugen und Zeitzeuginnen auf sie gemacht, als auch die Erfahrungen, die sie in der Praxis der Interviewführung gesammelt haben, zu reflektieren.

Außerdem stellen sich die einzelnen Interviewgruppen die Inhalte der Interviews auch gegenseitig vor. Einzelne Geschichten werden miteinander verglichen, Unterschiede herausgearbeitet und gemeinsame Themen festgestellt.

Filmemacher Thorsten Kleinschmidt, Audio-Experte Simon Kamphans (u.a. 1Live) und Radiojournalistin Anne Siebertz (Radio Erft) sind bei der Interviewnachbereitung ebenfalls anwesend, da sich die verschiedenen Jugendgruppen bereits im Januar für die Umsetzungsmöglichkeiten Film, Radios und eine Multimediale Stadtführung entschieden hatten.

Die für die Jugendlichen besonders bedeutsame Ereignisse und Informationen aus dem Leben der ZeitzeugInnen werden somit bereits für die entsprechenden Umsetzungsformate herausgearbeitet.


Nachbericht Generationenprojekt "70 Jahre danach"

Interview mit Audiowalk-TeilnehmerinnenGroßbildansicht
Interview mit Audiowalk-Teilnehmerinnen

Bewegende Reden, zwei Filme, eine Radiosendung und ein Crossmedialer Audiowalk: Mit mehr Zuschauern als Sitzplätzen wurden die Ergebnisse aus dem "70 Jahre danach"-Generationenprojekt am 09.05.2015 feierlich vorgestellt.

Neben den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie den jugendliche Teilnehmern kamen auch Staatssekretär Bernd Neuendorf, Bürgermeister Dieter Freytag, Anne-Frank-Zentrums-Direktor Patrik Siegele zu Wort.Anschließend spielte Pop-Sänger Jan Röttger.

In Zeitzeugen-Interviews hatten über 60 Jugendliche rund 40 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen interviewt und gemeinsam mit Medien-Profis kreativ umgesetzt.

"Für die Zukunft wünsche ich mir, dass dieses Beispiel Schule macht", so Bernd Neuendorf, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport in NRW. Ihm sei wichtig, dass die Jugendlichen aus dem Projekt die Gespräche nicht nur dokumentiert, sondern aktiv aufgearbeitet haben. 

Die heutige Generation Jugendlicher sei schließlich die letzte, die noch Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg sprechen könne. "Beeindruckend" und "überzeugend" nannte Brühler Bürgermeister und Projekt-Schirmherr Dieter Freytag die Umsetzung. Er sei stolz, dass Brühl als eine aus nur sieben Städten, die deutschlandweit vom Anne-Frank-Zentrum ausgewählt wurde, ein so vielfältiges Ergebnis vorweisen kann. 

Die über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagierten sich mit über 36 Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Diese ehrte Freytag am Ende der Präsentation persönlich mit einer Urkunde.


Zahlreiche Zuschauer bei der Ergebnisvorstellung des Generationenprojekts "70 Jahre danach"Großbildansicht
Zahlreiche Zuschauer bei der Ergebnisvorstellung des Generationenprojekts "70 Jahre danach"

Johanna Szurka ist eine der interviewten Zeitzeuginnen. "Ich war sehr glücklich, es einmal loszuwerden", so Szurka. Sie habe über viele ihrer Erlebnisse lange Zeit nicht gesprochen. Durch den Krieg wurde sie aus Köln vertrieben. "Es kam einfach aus mir heraus", berichtet die Zeitzeugin.

Nicht nur ihr erging es im Interview so. Auch für die Jugendlichen war diese Situation eine Herausforderung. Wie schwer es den Jugendlichen fiel, an bestimmten Punkten weiter zu fragen, wurde in den präsentierten Filmen deutlich.

Die Filme sind am 16.05.2015 von 11:00-13:00 Uhr im Zoom-Kino zu sehen.

Wie Szurka durchlebten die Zeitzeugen die vergrabenen, aber nicht vergessenen Erinnerungen im Interview komplett noch einmal. Wie gut, dass die Jugendlichen für die Vor- und Nachbereitung Unterstützung durch Zeitzeugeninterview-Experten vom Anne-Frank-Zentrum erhielten.

Zum Auftakt der Veranstaltung berichtete Rainer Volkmer, Vorsitzender des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Erft / Düren, wie der ASB während des Krieges verboten wurde. "Der ASB war politisch neutral, er verstand sich als Anwalt der Schwachen und Benachteiligten und kämpfte für deren Interessen", so Volkmer.

Dies habe den Nationalsozialisten missfallen. Der ASB ist Träger des Jugendkulturhauses Passwort CULTRA, das das Projekt "70 Jahre danach" federführend koordiniert hat. Unterstützt wurde die Einrichtung des ASB dabei durch einen Trägerkreis aus 18 Brühler Institutionen und Privatpersonen.

Neben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Projekts erschienen Bundestagsabgeordnete Helga Kühn-Mengel und NRW-Landtagsabgeordnete Dagmar Andres sowie viele interessierte Brühler Bürgerinnen und Bürger in einem ausgebuchten Saal.