Stolpersteine

"Ein Mensch – ein Stein – ein Schicksal" 

Mit dem Projekt "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig wird seit 1992 aller verfolgten oder ermordeten Opfer des Nationalsozialismus gedacht – Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, religiös Verfolgte, Zeugen Jehovas, "Asoziale", Homosexuelle, geistig und/oder körperlich behinderte Menschen, Zwangsarbeiter und Deserteure – letztlich alle Menschen, die unter dem NS-Regime leiden mussten.

Die Stolpersteine sind würfelförmige Betonsteine, auf deren Oberseite sich eine von Hand beschriftete Messingplatte befindet. Auf dieser Messingplatte eingraviert sind Hinweise auf das Haus ("Hier wohnte…"), der Namen der Person, ihr Geburtsdatum sowie ein Hinweis auf ihr Schicksal. Die Steine werden meist vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Opfer der NS-Zeit in das Pflaster der Bürgersteige eingelassen.

Stolpersteine vor der Verlegung

Herstellung:

Der Berliner Metallplastiker und Bildhauer Michael Friedrichs-Friedlaender steht seit 2005 für das Kunst- und Erinnerungsprojekt "Stolpersteine" in Kooperation mit Gunter Demnig und fertigt monatlich rund 440 Stolpersteine an. Die Buchstaben werden per Hand in die Messingplatten eingeschlagen.


Inzwischen wurden mehr als 70.000 Stopersteine in rund 2.000 Kommunen in 24 europäischen Ländern verlegt – auch in Brühl haben die Stolpersteine eine unübersehbare Spur gelegt. Anders als eine zentrale Gedenkstätte legt dieses Projekt die Spuren der Opfer des Nationalsozialismus bis hinein in den Alltag der Stadt. Die Stolpersteine sind ein Zeichen dafür, dass die Stadt Brühl die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus bewahren will. Sie finden dort ihren Platz, wo die Menschen einst friedlich in unserer Mitte gelebt haben. Das Projekt Stolpersteine hat sich längst zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt.

Erstverlegung der Stolpersteine im Jahr 2003

Im Jahr 2002 hat der Rat der Stadt Brühl aufgrund der Initiative der Israel-AG des Max-Ernst-Gymnasiums folgenden Beschluss gefasst:

Der Rat beschließt, das Projekt "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig in Zusammenarbeit mit dem Künstler und der Israel-AG des Max-Ernst-Gymnasiums zu realisieren. Die Verwaltung kann dabei Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer, die das Verlegen von Stolpersteinen vor ihrem Haus strikt ablehnen, von diesem Projekt ausnehmen.

Die Israel-AG hat hierfür alle Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer angeschrieben, wobei überwiegend das Einverständnis zum Verlegen der Stolpersteine erklärt wurde – rund ein Drittel der Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer widersprach.

Am 11. Juli 2003 wurden schließlich die ersten 39 Stolpersteine auf dem Markt und in der Uhlstraße verlegt. Die 26 Stolpersteine, die wegen des fehlenden Einverständnisses der Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer nicht verlegt werden konnten, wurden am 17. Dezember 2003 durch Gunter Demnig auf dem Schulhof des Max-Ernst-Gymnasiums in die Erde eingelassen.

Artikel des Kölner Stadtanzeigers vom 3. Dezember 2013: "Stolpersteine auf dem Schulhof vergessen"

Verlegung der 26 Stolpersteine vom Schulhof des Max-Ernst-Gymnasiums im Jahr 2015

Um das Projekt "Stolpersteine" nach mehr als zehn Jahren zu einem Abschluss zu bringen und die auf dem Schulhof des Max-Ernst-Gymnasiums als "Zwischenlösung" verlegten Stolpersteine ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen, wurden die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer zu Beginn des Jahres 2014 erneut angeschrieben und befragt, ob sie zwischenzeitlich der Verlegung vor ihren Häusern zustimmen.

Bürgermeister Freytag hat daran anschließend persönliche Gespräche mit den weiterhin ablehnend eingestellten Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern geführt. Schließlich hat der Hauptausschuss in seiner Sitzung am 20. April 2015 beschlossen, im Zweifelsfall alle 26 Stolpersteine auch ohne ausdrückliche Zustimmung der Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer zu verlegen.

Die Verlegung von 18 Stolpersteinen erfolgte am 22. August 2015 im Beisein zahlreicher Bürgerinnen und Bürger sowie Vertretenden von Vereinen, Verbänden, der Israel-AG, des Rates, der Kirche sowie der Presse. Am 19. November 2015 wurden schließlich die letzten acht Stolpersteine an dem für sie vorgesehenen Platz in Brühl verlegt.


Bürgermeister Dieter Freytag mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig in der Kempishofstraße am 22.08.2015


Die Israel-AG des MEG mit Gunter Demnig bei der Verlegung von Stolpersteinen in der Mühlenstraße am 22. August 2015



              Drei Stolpersteine in der Kölnstraße





Frisch verlegte Stolpersteine in der Schützenstraße


Verlegung von Stolpersteinen in der Maiglerstraße im Jahr 2017

Am 2. Februar 2017 konnten die letzten acht von insgesamt 70 Stolpersteinen in Gedenken an die ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger an 24 verschiedenen Anschriften in Brühl verlegt werden.

Das jüdische Ehepaar Maria und Salomon Josef Eismann wurde mit seinem jüngsten Sohn Hermann (geb. 1923) im Jahr 1941 aus Köln deportiert und später im Konzentrationslager ermordet. 

Ihren Kindern Nathan, Brigitte, Simon, Jakob und Johanna gelang zwischen 1935 und 1940 die Flucht bis in die damalige Tschechoslowakei, nach England, Australien und Palästina.

Die acht Stolpersteine der Familie Eismann

Verlegung des 71. Stolpersteines in der Liblarer Straße im Jahr 2019

Am 5. Februar 2019 wurde im Beisein zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Verbänden und Kirchen, der Israel-AG, des Rates und der Presse mit dem 71. Stolperstein ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen gesetzt.

Die kleine Messingtafel im Gehweg vor dem Haus in der Liblarer Straße 65 erinnert an Sibilla Agnes "Billa" Rombach, die hier mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater lebte und im Alter von 22 Jahren kurz vor Kriegsende am 1. April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb.

Sie war im Mai 1943 als "Asoziale", wie es in den damaligen Unterlagen heißt, in Vorbeugungshaft genommen und zunächst in das KZ Ravensbrück deportiert worden, bevor sie nach Bergen-Belsen gebracht wurde.

Die Cousine von Billa Rombach, Edith Fischer, hat Nachforschungen angestellt und sich um die Erinnerung an ihre Cousine, die sie nicht mehr kennengelernt hat, bemüht. Frau Fischer hat ihren Wunsch an die Stadt Brühl herangetragen und so die Verlegung des Stolpersteines initiiert und auch die Patenschaft hierfür übernommen.


Der am 5. Februar 2019 verlegte Stolperstein für Sibilla Agnes "Billa" Rombach

Weitere Informationen:

Stolpersteine – Website des Kölner Künstlers Gunter Demnig
Das Bundesarchiv – Gedenkbuch


Juden in Brühl

Im Oktober 1944 endeten 659 Jahre nachweisbarer Geschichte der Juden in Brühl. Heute erinnern an die Existenz jüdischen Lebens nur noch eine Gedenkstätte, der jüdische Friedhof und 70 Stolpersteine.

Wer aber kennt noch Namen jüdischer Familien und deren Geschäfte oder Häuser? Es ist mittlerweile nur noch die Gruppe der über Siebzigjährigen, die sich daran erinnern kann. 

Dabei ist die Geschichte der Juden eng verknüpft mit der Geschichte der Stadt Brühl. In den schriftlichen Quellen zur Brühler Stadtgeschichte werden bereits zur Stadtgründung 1285 Juden erwähnt, und seit der Barockzeit lassen sich sogar die Lebensbedingungen für die kleine jüdische Gemeinde zum Teil nachvollziehen.

Als Blütezeit der Brühler jüdischen Gemeinschaft ist das 19. Jahrhundert mit dem Bau der Synagoge, welche im Jahr 1884 eingeweiht wurde, anzusehen. Mit Beginn der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten veränderte sich das Bild, es folgten wirtschaftliche Einschränkungen und gesellschaftliche Isolierung. Nach dem Novemberpogrom 1938 flüchteten viele Juden. 1942 erfolgten erste Verschleppungen in die Vernichtungslager. Im Oktober 1944 hatte Brühl keine jüdischen Einwohner mehr.

Die Stadt Brühl hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Schicksale ihrer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erforschen und zu dokumentieren. Hierfür wurde die Autorin Frau Dr. Barbara Becker-Jákli beauftragt, die Geschichte der Juden in Brühl zu untersuchen und darzustellen. 

Wir danken der Autorin Barbara Becker-Jákli für die Erlaubnis, ihre 1988 veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit "Juden in Brühl", herausgegeben als Band 14 der Schriftenreihe zur Brühler Geschichte, hier der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu dürfen. Das Buch ist ursprünglich unter der ISBN 3-926076-22-4 erschienen und leider nur noch antiquarisch erhältlich.

Lesen Sie auch hier "Auf den Spuren jüdischen Lebens"


Weitere Informationen:

Literaturempfehlung:  Barbara Becker-Jákli, Juden in Brühl [PDF 75MB]
Themenführung Gegen das Vergessen: Auf den Spuren jüdischen Lebens

Stadt Brühl

Uhlstraße 3

50321 Brühl

telefon:02232 79-0

fax:02232 48051

Wichtige Mitteilung

Das Rathaus in der Uhlstraße, die Dienststellen in der Hedwig-Gries-Straße und das Standesamt in der Bahnhofstraße sind für Bürgerinnen und Bürger derzeit nicht zugänglich.

Dennoch sind die Mitarbeitenden nach wie vor telefonisch oder per Mail zu erreichen. Alle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden Sie unter Erreichbarkeit Stadtverwaltung (Notdienst).

Aktuelle Informationen zum Coronavirus und den Auswirkungen auf das Leben in Brühl finden Sie unter "Coronavirus". Bitte lesen Sie auch unsere Pressemitteilungen.

Bürgertelefon zum Coronavirus:
02232 797000
Montag bis Samstag von 10 bis 16 Uhr

E-Mail-Adresse bei Fragen:
coronavirus@e20da8801ffe4553b9d8b115c49e2671bruehl.de